Sonntag, 17. März 2019
Aufarbeitung des jahrelangen Missbrauchs an meinem Körper und meiner Seele
Ich schreibe diesen Blog, in der Hoffnung/ dem Glauben endlich meinen erlebten Missbrauch an mir aufzuarbeiten. Ich beschreite diesen Weg, weil ich nicht mehr daran glaube anders überleben/ LEBEN zu können. Es fühlt sich so an, als wäre dies meine letzte Chance. Entweder sterbe ich an diesem Missbrauch und sein Folgen oder ich gesunde endlich. Teile von mir sind wie abgespalten.

Meine große Scham, über das was mir angetan wurde hat mir mein Selbstbewusstsein geraubt, meine Selbstliebe zerstört, meine Gefühle absterben lassen und meine Achtung vor mir selber nie entstehen lassen.

Seit Jahren fresse ich alles in mich hinein. Jedes Gefühl, jeder Gedanke, jede Erinnerung, die in mir hoch kommen und jede Anschuldigung von außen die an mich herangetragen wird, führen dazu, dass ich weiteres Essen in mich hineinstopfe. Mittlerweile wiege ich über 170Kilo und ich merke, dass mein Körper, dies nicht mehr lange mitmacht.

Nachts kann ich nicht ohne Licht schlafen, da ich mich sofort orientieren muss, wenn ich wach werde. Die Angst vor einem unerwünschten Besucher in meinem Zimmer überfällt mich sonst im Dunkeln. Mittlerweile träume ich auch immer öfter:
- von den Vergewaltigungen, die mir in meiner Kindheit angetan wurden,
- von der Hilflosigkeit mich nicht wehren zu können,
- davon nicht gehört zu werden, wenn ich Signale der Hilflosigkeit aussende.

Ich schreibe dies nicht weil ich Mitleid will, ich schreibe um mich zu erklären. Mir und anderen zu erklären was die Scham und das Schweigen müssen mit mir gemacht haben, warum ich heute so bin wie ich bin.

Ich werde mich in Form von Briefen mit meinem Missbraucher /Vergewaltiger auseinanderzusetzen und mich zurückzuerinnern. Ebenso schreibe ich an meine Mutter, mit der eine Auseinandersetzung zu diesem Teil unseres Lebens nicht von ihr nicht gewollt ist. Sie ist auf dem Standpunkt, dass sie nichts mitbekommen hat und dass ich endlich aufhören soll, sie damit zu belästigen.
Ich werde aber auch versuchen, die Scham endlich abzustreifen und die dadurch entstanden Glaubenssätze zu entlarven, um endlich ein glückliches erfolgreiches Leben zu führen.

Entschuldigen möchte ich mich bei meiner Halbschwester, die ihren Vater nie kennengelernt hat, er starb ein halbes Jahr nach ihrer Geburt und bei meinem Stiefbruder. Beide haben noch nie etwas von dieser dunklen Seite ihres Vaters gehört, ganz im Gegenteil über Tote spricht man ja nichts Schlechtes.

Aber ihr beide seid jetzt erwachsen und habt eigene Familien gegründet.
Ich habe lange genug geschwiegen, auch weil mir gesagt wurde ich darf euch nicht belasten.

Doch ich halte meine Last nicht mehr aus.
Ich habe das Recht, die Wahrheit zu erzählen und nach über 45 Jahre des auferlegten Schweigens, denke ich jetzt an mich.

JVS

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